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1. Einleitung: Gastfreundschaft als Leitmotiv

"Vergesst die Gastfreundschaft nicht; denn durch sie haben einige, ohne es zu ahnen, Engel beherbergt" (Hebr. 13,2)

  Gastfreundschaft gehört zu den ältesten Werten der Menschheit. Ihre Wurzeln reichen zurück bis in die Zeit umherziehender Nomadenvölker in den Ländern des Orients. Jahrhunderte später bewahrten die Klöster Gastfreundschaft als hohes Gut, denn häufig klopften Pilger an die Klostertüren und baten um Aufnahme.

  Auch unser modernes Leben hat etwas Nomadenhaftes. Vielen ist Fremdheit und Anonymität ein vertrautes Gefühl. Das Leben ist heute stark durch Reisen und Mobilität gekennzeichnet. Viele verstehen sogar ihr Leben symbolisch als Reise. Wo das Pilgern auf ein fernes Ziel hin Ausdruck menschlicher Existenz ist nimmt Gastfreundschaft eine zentrale Position ein. Denn je mehr das Vorüber-Gehende zum Normalfall menschlichen Lebens wird, desto wichtiger werden gastliche Orte, an denen Menschen eine Zeit lang verweilen und sich wohl fühlen können.

  Solche Rastplätze an den Wegen der Menschen wollen in unserer Gemeinde Kirche und Gemeindehaus sein. Wir ermutigen zudem unsere Ehrenamtlichen darin, eine innere Haltung der Gastfreundschaft einzuüben. Echtes Interesse am Anderen und innere Beweglichkeit sind wichtige Voraussetzungen. Ein weiser Mensch hat einmal gesagt: "Gastfreundschaft ist kein Programm, sondern geteiltes Leben. Sie erwächst aus Lebensfreude, Einfachheit und Bescheidenheit." Gastfreundschaft ist in erster Linie eine sinnliche Erfahrung, die lange über den Augenblick hinaus wirkt. Durch eine besondere Atmosphäre öffnen sich die Herzen. Besondere Begegnungen sind jene, wo mir als Gast die ungeteilte Aufmerksamkeit des Gastgebers zuteil wurde. Wo ich das erlebe, fällt es mir leicht, mich zu öffnen und persönlich zu werden.

  Nach dem biblischen Zeugnis ist es Gottes Wesenszug selbst gastfreundlich zu sein. Er hat eine große Sehnsucht danach, die Fremdheit zwischen ihm und uns Menschen zu überwinden. Gott sieht uns freundlich an. Er möchte nichts sehnlicher als unser Vertrauen gewinnen. Die Bibel berichtet an vielen Stellen darüber, dass Gott Gastfreundschaft als ´Landeplatz` nutzt, um im Leben eines Menschen etwas zum Positiven zu verändern.   Inspiriert hat uns auch ein Zitat von Fritz Schroth, langjähriger Leiter der Christlichen Gästehäuser in Bischofsheim (Rhön): "Gast-Freiheit gibt Raum und Weite. Gastfreiheit gibt Luft zum Atmen. Als Team der Gästehäuser wollen wir in einer vom Evangelium gewirkten Atmosphäre der Freiheit ansteckend leben. Gast-Freundschaft ist mehr, mehr als ein bloßes Wort. Gastfreundschaft ist der Horizont, in dem sich unsere ganze Arbeit abspielt. Gastfreundschaft lässt uns im anderen den von Gott geliebten und gesandten (!) Gast erkennen. Gastfreundschaft und Gastfreiheit gehören zusammen. Während Gastfreiheit Raum gibt, drückt das Wort Gastfreundschaft Nähe aus. Wo beides zusammen kommt, kann Leben entfaltet werden. Menschen werden nicht durch Systeme oder Institutionen, sondern durch Menschen angesprochen, und Leben kann nur durch Leben vermittelt werden."

2. Kirche und Gottesdienst

  Die Gestaltung und gemeinsame Feier einladender Gottesdienste, die es auch gelegentlichen Besuchern ermöglicht, sich einzufinden, ist den Verantwortlichen eine Herzensangelegenheit.

  Aufgrund der hervorragenden Akustik in der Denkmal geschützten Kirche finden neben den Gottesdiensten regelmäßig besondere Konzerte (Orgel, Bläser, Chor, kleine Orchester) und besondere musikalische Projekte statt.

  Kleinere thematische Ausstellungen laden im Eingangsbereich immer wieder zum Verweilen und Entdecken ein. Auch der Kirchraum ist geeignet, dort Kunstobjekte zu zeigen und damit neue Perspektiven für die biblische Botschaft zu eröffnen.

  Ein "Raum der Stille" in der Pfarrersakristei lädt zu Erfahrungen mit Meditation und Kontemplation ein und eröffnet damit auch einen neuen Zugang zur Kirche. Der Kirchraum lädt im Rahmen fester Zeiten der "offenen Kirche" zum Verweilen und zum stillen Gebet ein.

3. Lebensbegleitung durch Seelsorge und Beratung

  Seelsorge ist wesentlicher Teil des pastoralen Dienstauftrages und zugleich Aufgabe der ganzen Gemeinde. Zu ihr gehört die Wahrnehmung von Menschen in ihrer Lebenssituation, die Bereitschaft, Wege mit zu gehen, Krisen zu begleiten, Not zu lindern. Es gelingt dies immer häufiger nur, wenn man bereit ist, den Alltag unterbrechen zu lassen und sich zu entschleunigen, um für den Nächsten da zu sein.

  Wir sind eine Gemeinde, die seelsorgerlich auf Menschen eingeht, die Hilfe bietet in Glaubensfragen und schwierigen Lebenssituationen und insgesamt Menschen verschiedener Altersgruppen auf ihrem Lebensweg begleitet. Wir tun dies nicht allein: Seelsorge und Beratung geschehen in vielfältiger Weise und in Entlastung der gemeindlichen Ebene im Kontext von Kirchenkreis und Diakonie und ihnen angeschlossenen Einrichtungen und Diensten.

  Uns prägt eine besondere Haltung und ein besonderes, nämlich das christliche Menschenbild: Innerhalb der Vielfalt von Dienstleistungen und Anbietern im Stadtteil wird Seelsorge daher als besonderes kirchliches Angebot erkennbar und findet den Menschen am Ort angemessene Formen.

4. Gemeindehaus als Stadtteilzentrum mit dem Schwerpunkt "Begegnung und Service für ältere Menschen" und aktives Ehrenamt

  In den Jahren 2003 bis 2006 wurde das Gemeindehaus Florastr. 119 und das in Baueinheit dazu gehörige Wohnhaus Hohenzollernstr.102 grundlegend saniert. Das Gemeindehaus ist senioren- und behindertengerecht umgestaltet (u.a. Einbau eines Fahrstuhls), mit einer semiprofessionellen Garküche und einer verbesserten Veranstaltungstechnik im Saal ausgestattet worden.

  Die Ev. Kirchengemeinde betreibt seit dem Jahr 2005 in Kooperation mit der Stadt Gelsenkirchen und gefördert durch das Stadtteilerneuerungsprogramm Gelsenkirchen-Südost von montags bis freitags einen Mittagstisch für Senioren und Schüler mit einer preiswerten, täglich frisch zubereiten Mahzeit.

  Seit dem Jahr 2007 wurde ebenfalls in Kooperation mit der Stadt Gelsenkirchen/dem Seniorenbeauftragten durch eine geförderte Personalstelle das Seniorennetzwerk "mOsaik - gemeinsam älter werden im Stadtteil Bulmke-Hüllen" aufgebaut. Neben der Entwicklung von Vernetzungsstrukturen im Stadtteil wird im "Seniorenbüro" im Gemeindehaus Service und Beratung für ältere Menschen geleistet. In Kooperation mit dem Carl-Friedrich-Gauß-Gymnasium bietet die Ev. Kirchengemeinde Mittagsverpflegung und Imbisse für Schüler und Lehrer an.

  Als Mieter feiern die Methodistische Kirche Gelsenkirchen und die Ev. Glaubensgemeinschaft an Sonn- und Feiertagen ihre Gottesdienste im Haus. Weitere Nutzer sind die Ev. Kirchengemeinde Hüllen und die Elisabeth-Käsemann-Familienbildungsstätte.

  Das "Café bei Kirchens" ist ein offenes Angebot im Haus. Angeschlossen ist eine Terrasse mit direktem übergang zum angrenzenden Bulmker Park. Das Café ist an mehreren Tagen in der Woche geöffnet und wird ehrenamtlich geführt. Es versteht sich als christliches Café. Es öffnet das Haus für Passanten aus dem Stadtteil Bulmke-Hüllen. Es ist ein beliebter Ort für die Ausrichtung kleiner Familienfeiern (Taufe, Konfirmation, Geburtstage etc.) ebenso wie für Kulturveranstaltungen in einem intimen Rahmen.

  Zum Schwerpunkt des Gemeindehauses als "Begegnungs- und Servicezentrum für ältere Menschen" zählen außerdem viele Gruppenaktivitäten:

  Neben traditionellen Gemeindegruppen (Frauenhilfe, EAB, Gesellen und Meister, Seniorenkreis), treffen sich im Haus auch Gruppen, die eher selbst organisiert arbeiten (Blaues Kreuz, ZWAR-Gruppe, Tauschring Emscher-Lippe, Nachbarschaftsstifter).

  Aufgrund der neuen Möglichkeiten im Haus finden sich auch Bewegungs- und Kulturangebote wie Tanzen für Menschen ab 60, Yoga und Gymnastikgruppen, das monatliche Filmcafé am Sonntag, und Literaturnachmittage.

Unterstützt werden die Angebote und Initiativen vielfach durch Ehrenamtliche, die für sich ein neues Betätigungsfeld gefunden haben.

  Das Gemeindehaus ist seit dem Jahr 1999 Sitz des Gelsenkirchener Hospiz-Vereins e. V., dem zur Zeit einzigen, von den Krankenkassen anerkannten ambulanten Hospizdienst in Gelsenkirchen.

  Seit dem Jahr 2009 ist auch der von der Bezirksregierung als niederschwelliges Betreuungsangebot anerkannte "Häusliche Entlastungsdienst für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen" im Haus beheimatet (u.a. mit Monatstreffen der Demenzbegleiter und Angehörigengruppe).

  Die Ev. Kirchengemeinde setzt auch zukünftig Akzente bei der Weiterentwicklung kirchlicher Seniorenarbeit. Sie versteht sich als verlässlicher Kooperationspartner der Stadt Gelsenkirchen und sucht auch neue Kooperationspartner zur Sicherung der Nachhaltigkeit von Mittagstisch und Seniorenbüro.

5. Gelebte ökumene

  Wir sind eine Gemeinde, die sich ökumenischen Fragen stellt und ökumenische Beziehungen pflegt:

Mit der Heiligen Familie Bulmke ist die "Paulusgemeinde", wie sie von katholischer Seite gern genannt wird, seit mehr als 30 Jahren und durch vielfältige Formen verbunden. Die gemeinsame Feier der Osternacht in der Kirche Heilige Familie, der ökumenisch in der Pauluskirche begangene Reformationstag, der Tagesausflug "Gemeinden unterwegs", der bereits zum siebten Mal begangene ökumenische Kirchentag, gemeinsame Treffen von Presbyterium und Pfarrgemeinderat und regelmäßige gemeinsame Arbeitsessen der verantwortlichen Pfarrer und Padres beschreiben einige der konkreten Begegnungselemente. Ein neu gebildeter ökumenischer Arbeitskreis sondiert weitere Kooperationsmöglichkeiten.

  Seit 40 Jahren feiert die Evangelische Glaubensgemeinschaft im Gemeindehaus Florastr. 119 ihre Wortgottesdienste. Viermal im Jahr feiert der Pfarrer der Ev. Kirchengemeinde Bulmke einen Abendmahlsgottesdienst mit dieser Gemeinde in der Pauluskirche und spendet das Sakrament.

  Seit Mai 2005 ist die Evangelisch-Methodistische Kirche Gelsenkirchen mit Gruppenangeboten und Sonntagsgottesdienst Mitnutzer des Gemeindehauses Florastr 119. Dies wird von beiden Seiten als gegenseitige Bereicherung erlebt.

  Mit der der UCC angeschlossenen First Congregational Church of Alpena in Michigan/USA ist die Gemeinde durch mehrere gegenseitige Besuche und Jugendaustausche in den 1990er Jahren verbunden. Seit einem Jahr ist wieder ein regelmäßiger Briefkontakt mit einem Gruß oder Info für die Gottesdienstgemeinde aufgebaut worden. Neuerliche gegenseitige Besuche werden als Lernfeld für das eigene Kirchesein und Chance zur Gewinnung neuer Gastgeber und Unterstützer befürwortet.

6. Bildung und Erziehung - Kinder und junge Familien ansprechen

  Die Zahl der evangelischen Kinder nimmt ab. Für die Gemeinde wird die Kontaktpflege zu den Familien mit Kindern daher zu einer besonderen, sozialen, integrativen und in Teilen auch missionarischen Aufgabe.

  Derzeit konzentriert sich die Arbeit auf die Elemente:

  - enge Kooperation mit dem Kindergarten Anderland
  - Kinderkirche
  - Angebot von Kinder- und Jugendgruppen im Rahmen der geförderten TOT Florastraße 119
  - Konfirmandenarbeit (u. a. stadtteilbezogenes Projekt: Kirche vor Ort, Ausflüge im und durch den Stadtteil, Holk-Projekt)
  - Konfirmandenelternarbeit
  - Kooperation mit dem C.F.-Gauß-Gymnasium: Nachmittagsangebote im Rahmen der Gestaltung des Offenen Ganztags im Gemeindehaus
  - Projektarbeit am Wochenende und in den Ferien (Kinderbibeltage, Kino für Kids)

  Die Angebote werden als Beziehungsgeschehen gestaltet. Das spürbare Interesse an Kindern und Eltern in ihrer besonderen Situation begleitet die Angebote.

7. öffentlichkeitsarbeit und Leitung

"Die Verkündigung des Evangeliums darf nicht im versteckten Winkel geschehen, sondern zielt stets auf das Licht der öffentlichkeit." (Wolfgang Huber)

  Kirche ist ihrem Wesen nach öffentlich. Wir wollen eine Gemeinde sein, die in die Stadt und den Stadtteil hineinwirkt, die Menschen einlädt und Menschen nachgeht. Unsere Verkündigung, unsere Angebote und Aktivitäten zielen darauf, Menschen zu erreichen. Darum hat öffentlichkeitsarbeit zum Ziel, dafür angemessene Formen zu finden.

  Wichtig ist es, sowohl die Funktionsfähigkeit der internen Kommunikation (haupt-, neben- und ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter) als auch die Kommunikation nach außen gegenüber Gemeindegliedern und öffentlichkeit immer wieder zu überprüfen und zu stärken.   Die Gemeindeleitung nutzt für die öffentlichkeitsarbeit folgende Instrumente:

  - Gemeindebrief, der vier Mal im Jahr an alle Gemeindeglieder verteilt wird
  - Internetauftritt und Newsletter
  - Pressearbeit
  - Plakataktionen und Flyer, die in der Stadt und im Stadtteil gezielt verteilt werden
  - Einladungen zu den Seniorengeburtstagsfeiern für Gemeindeglieder ab 70

8. Ausblick

  Die Gemeinde sieht sich nicht zuerst als Institution, sondern als eine Lebensgemeinschaft, in die sich jede und jeder mit ihren und seinen Gaben einbringen kann. So versteht sich dieses Leitbild auch nicht als Festschreibung eines unabänderlichen Zustands, sondern es wartet darauf, von den Mitgliedern mit der Zeit gehend fortgeschrieben und verändert zu werden.


Foerderverein Pauluskirche zu Bulmke

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