» Historische Advent- und Weihnachtszeit
Die folgenden Erzählungen stammen aus den Erinnerungen der Kinder von Pfarrer Ernst Plate, der von 1914 bis 1945 Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Bulmke war.
In der Adventszeit gab es in der Küche des Pfarrhauses große ereignisreiche Tätigkeit. Für die vielen Adventfeiern im Pfarrhaus mussten große Weihnachtsstollen gebacken werden. Es kamen der Missionsnähverein, die Helfer und Helferinnen vom Kindergottesdienst, Gäste von Frauenvereinen, die Presbyter und viele weitere Personen. Leider habe ich kein Rezept von dem Stollen, ich erinnere mich nur, dass mindestens 8 bis
10 große Stollen mindestens 50 cm lang zum Bäcker zum Backen gebracht werden mussten. Es gab noch kein Auto bei uns, deshalb wurden sie nacheinander im Wäschekorb zum Bäcker getragen und nach dem Backen wieder abgeholt. Sie konnten tagelang aufgehoben werden. Erst kurz vorm Anschnitt kam ein Zitronenguss auf die Oberseite des Stollens, der dann noch reichlich mit Puderzukker bestreut wurde. Im Stollen waren viele Rosinen und Mandeln. Er duftete herrlich und schmeckte uns allen gut.
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Die Eltern brachten aus Thüringen die Sitte des Adventsbäumchens mit. Eine kleine Tanne, ca. 75 cm hoch, in einem Topf gepflanzt, stand am 1. Advent im Altarraum. Sie trug eine Kerze, und eine Konfirmandin entzündete sie mit dem Verkünden einer Weissagung. Am 2. Advent wurden zwei Lichter angebrannt, am 3. Advent drei Kerzen. Dazu wurde jeweils eine weitere Weissagung verlesen. Am 4. Advent hörte die Gemeinde den 4. Spruch.
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Für die Weihnachtszeit wurde die Pauluskirche immer besonders ausgeschmückt. Besonders die selbstgebastelten Adventsrosen vermittelten
das Geheimnis der Weihnacht. Die Adventsrosen bestanden aus einem Teelicht, das in einem Weinglas stand, das von außen mit rotem und weißem Seidenpapier, das zu kleinen Rosenblättern gerollt war, geschmückt wurde. Am Weinglasstiel wurden kleine Tannenzweige befestigt. Das Teelicht leuchtete geheimnisvoll aus dem Rosenglas heraus.
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Für uns Kinder war die Weihnachtsfeier des Kindergottesdienstes am 4. Advent der Höhepunkt. Sie begann morgens um 7 Uhr. Die Kinder versammelten sich vor den Eingängen und zogen mit dem Lied "Süßer die Glocken nie klingen" von drei Seiten in die Kirche ein. Zuvor schon hatte man viele, viele Kerzen gesammelt. Diese wurden auf Pappdeckel geklebt und erleuchteten die Emporensimse. Die Möglichkeiten der elektrischen Lichterketten setzte man damals noch nicht ein. Die Eltern der Kinder saßen oben und hüteten die entzündeten Kerzen sorgfältig. Die Weihnachtsgeschichte wurde verlesen, ein junges Mädchen im weißen Gewand erschien als Verkündigungsengel und sprach die Worte von der "großen Freude, die allem Volk widerfahren soll." "Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen", fuhr danach der Pfarrer fort. Da strömten aus der seitlichen Sakristei ca. 30 Kinder in Nachthemdchen in den Altarraum und sangen selig verklärt: "Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen." Wir Pfarrerskinder durften nie "Engel" sein; die Eltern meinten, wir sollen anderen den
begehrten Auftritt gönnen.
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Der Heilige Abend wurde im Gegensatz zu heute nicht mit Gottesdiensten begangen. Er war ein normaler Arbeitstag und man nutzte ihn für die Vorbereitungen auf die Weihnachtsfeiertage. Zu Weihnachten gab es außer den üblichen Gottesdiensten früh um 6 Uhr eine Christmette. Auch hier war die Kirche wieder durch Kerzenlicht, das von den Emporensimsen herableuchtete, erhellt.
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Wie die Pauluskirche in diesem Jahr geschmückt sein wird, bleibt noch eine überraschung, aber vielleicht findet man einiges aus diesen Erzählungen wieder. Eine ruhige und gesegnete Adventund Weihnachtszeit wünscht Ihnen
Andreas Janke
(Andreas Janke im Gemeindebrief horizonte, Ausgabe Winter 2009/2010)